Vortrag in der VHS Aachen

Dienstag, 3. November 2020, 20:00 – 21:30 Uhr

Peterstraße 21  in Aachen

Albert Camus – Vom Absurden zur Revolte

Welchen Sinn hat das Leben? Diese Frage – davon können wir ausgehen, beschäftigt jeden Menschen einmal. Für Albert Camus, der „gottlos“ aufgewachsen ist und für den Religionen allenfalls die Rolle eines gesellschaftlichen Modells spielten, war diese Frage eine besondere Herausforderung. Seine Erkenntnis lautet: Es gibt nichts, was dem Leben von außen einen Sinn beibringt, der einzige Sinn des Lebens – und das erscheint uns absurd – entspringt dem Leben selbst.
Für eine bessere Welt zu kämpfen, ohne sich von starren Ideologien leiten zu lassen, war Camus‘ Idee der Revolte. Die Werte unserer Gegenwart für eine bessere Zukunft zu opfern, deren Ausgang ohnehin ungewiss ist, hielt er dagegen für fragwürdig.
Das Absurde und die Revolte werden oft als zwei unterschiedliche Motive im Werk von Camus angesehen. Doch bei genauerer Betrachtung verstehen wir, wie beide Themen der gleichen Lebensauffassung entspringen.

Eine Teilnahme an dem Vortrag ist nur bei vorheriger Anmeldung möglich, da die Raumkapazität wegen der Hygienevorschriften begrenzt ist.   0241 – 4792-111   oder  vhs@mail.aachen.de


 

Dienstag, 6. Oktober 2020,   19.30 – 21.00 Uhr

Albert Camus – der Algerienfranzose

Albert Camus ist als Algerienfranzose während der Kolonialzeit – zwischen Arabern, Berbern, Juden und Christen mit Herkunft aus allen Ländern rund um das Mittelmeer – aufgewachsen. Das Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen war für ihn eine Selbstverständlichkeit, noch bevor ihm politische Machtverhältnisse und historische Kontexte bewusst wurden.
Als die Konflikte zwischen Arabern und Franzosen in den algerischen Befreiungskrieg mündeten, saß Camus zwischen allen Stühlen und trat aktiv für eine Versöhnung der Volksgruppen ein, in der die bis dahin unterprivilegierten Araber zu mehr Rechten kommen sollten.
Neben seinen politischen Stellungnahmen finden wir auch in seiner Prosa Kulissen des Miteinanders und der Konflikte, die er neben der politischen Bewertung in erster Linie aus der zwischenmenschlichen Sicht betrachten wollte. Darin spiegelt sich die Zerrissenheit, die Camus aushalten musste, der er dennoch nicht ausweichen wollte.

 

 

 

Man sollte annehmen, die Lust an der Macht entspringt dem Wunsch, als Vertreter eines Volkes gute Ideen umsetzen zu wollen. Doch wie kommt es, dass Menschen ihre Macht nur noch als Selbstzweck behaupten und sich zu ihrer Erhaltung gegen ihr eigenen Volk richten?

Verteidigung der Freiheit

Wir blicken in diesen Tagen gespannt auf die Ereignisse in Belarus, die Proteste im Libanon und die immer wieder aufflammenden Aufstände für Freiheit und Gerechtigkeit in anderen Ländern. Es wäre schlimm, wenn sich die Demokratiebewegungen nicht nachhaltig durchsetzen könnten, noch schlimmer wäre es, wenn sie in große Gewaltakte münden, an dessen Enden die bisherigen oder neue Autokratien obsiegen.

«Ein freier Mensch zu sein, ist gar nicht so einfach, wie man glaubt», sagte Albert Camus in einer Ansprache. «In Wirklichkeit wird diese Behauptung nur von den Leuten aufgestellt, die beschlossen haben, auf die Freiheit zu verzichten.»

In seinen Aufsätzen anlässlich des Ungarnaufstandes von 1956 schreibt Camus: «Durch die Staatspaläste irren, bis an die Zähne bewaffnet, die schäbigsten Tyrannen des Absolutismus, die das Wort Freiheit in Angstzustände, das Wort Wahrheit in Raserei versetzt», und zitiert den Ungarn Tibor Meray: «Nie wieder, nicht aus Angst vor Drohung, nicht aus Angst vor Tortur, nicht aus falsch verstandener Liebe zur Sache wird etwas anderes als die Wahrheit über unsere Lippen kommen.»

Belarus, so hörte ich heute in den Nachrichten, sei der einzig verbliebene totalitäre Staat in Europa. Doch Staaten wie Ungarn und Polen zeigen auch heutzutage, wie zerbrechlich die Grundfesten der Demokratie sind, wie wir sie immer von neuem erstreiten müssen.

«[] wir müssen uns in einem endlich geeinten Europa darum bemühen [] unser Zusammenwirken und unsere Solidarität [zu] vertiefen. Den Menschen, die uns erniedrigen und uns einreden wollen, die Geschichte könne den Terror rechtfertigen, werden wir unseren wahren Glauben entgegenhalten [] Wir glauben, dass in der Welt neben knechtenden, tödlichen Mächten, die die Geschichte verdunkeln, auch überzeugungskräftige, lebensverheißende Mächte am Werk sind, eine gewaltige Bewegung der Emanzipation, deren Name Kultur ist und die gleichzeitig aus freier Schöpfung und aus freier Arbeit hervorgeht.» … «Wenn die absolute Wahrheit bei irgend jemand auf Erden zu finden ist, dann bestimmt nicht bei den Leuten oder Parteien, die sie zu besitzen behaupten.»

Und dann schreibt Camus in kursiv seine Fragen, als hätte er sie heute an uns gerichtet:

«Was kann der Intellektuelle andernfalls heute tun? Ist es seine Pflicht, sooft sich Gelegenheit bietet, öffentlich und in der ersten Person seine Gefühle und seine Stellungnahme kundzugeben? Oder sind Sie der Meinung, angesichts so schwer wiegender Ereignisse und in Ermangelung gültiger politischer Kräfte bleibe einem nichts anderes übrig, als nach bestem Vermögen seiner eigenen Arbeit nachzugehen?»

Die Zitate entstammen dem Band «Verteidigung der Freiheit», oder auch „Fragen der Zeit“, beide erschienen im Rowohlt-Verlag

«Ehrung der Verbannten» Ansprache zu Ehren des Präsidenten Eduardo Santos/  «Ungarn: Kadar hat seinen Tag der Angst erlebt»/ «Ungarn:Der Sozialismus der Galgen»

 

 Gedanken zum 75. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Wie kann es sein, dass Menschen zur Durchsetzung ihrer Ziele – und seinen sie auch gerechtfertigt – zu äußersten Mitteln greifen, die ihnen zur Verfügung stehen?

Albert Camus war nicht nur zutiefst bestürzt über die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, diesen „durch Politik und Wissenschaft organisierten Mord“, den „vollkommenen Verlust der Gewaltkontrolle“ und der Gleichgültigkeit gegenüber dem einfachen Glück der Menschen, er war auch über die europäische Presse, die dieses barbarische Handeln unter den Deckmantel einer internationalen Presse-Diplomatie relativierte, erschüttert

Camus hat etwas vertreten, was auch in mir tobt: Man muss mit der in sich wohnenden Widersprüchlichkeit von Gerechtigkeit-Wollen und Gerechtigkeit-Schaffen auseinander setzen. Es bedarf mehr als nur zu sagen, “Ich bin dafür” oder “Ich bin dagegen”. Ein denkender Mensch muss sich mit der Zerrissenheit zwischen Unrecht erleiden und Unrecht tun auseinandersetzen.

Es ist nicht einfach – doch ich habe gelernt: Frieden schaffen beginnt lange vor den ersten Kriegsabsichten oder Kriegshandlungen, es beginnt in jedem einzelnen Moment unserer Gegenwart.

In seinem Artikel vom 8. August 1945 anlässlich der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki in der Widerstandzeitung Combat schließt Camus: “Angesichts der schrecklichen Perspektiven, die sich der Menschheit öffnen, wird uns noch deutlicher bewusst, dass der Einsatz von Frieden nunmehr der einzige Kampf ist, der es wert ist, geführt zu werden. Es ist nun kein Gebet für den Frieden mehr, sondern eine Notwendigkeit, welche die Bevölkerungen gegen ihre Regierungen aufbringen muss; eine Notwendigkeit, sich definitiv zwischen der Hölle und der Vernunft zu entscheiden.”

Sebastian Ybbs

  Die Universität Bremen liest Albert Camus‘ Die Pest

Mit dem Vorschlag, Albert Camus‘ Roman Die Pest zu lesen, hat die Universität Bremen sich 2020 erfolgreich an der Ausschreibung „Eine Uni – Ein Buch“ beteiligt.
Nun wird es an der Universität Bremen sowie in der Bremer Öffentlichkeit bis Ende 2021 darum gehen, aus verschiedenen Blickwinkeln und aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen Zusammenhänge zwischen dem Werk und aktuellen Fragen rund um Solidarität und andere Themen, die Camus uns in diesem Roman anbietet, zu beleuchten.

[[In seinem 1947 veröffentlichten Roman Die Pest, der bis heute als ein Klassiker der Weltliteratur gilt, beschreibt Camus, wie eine kleine, gewöhnliche Stadt von der Pestseuche heimgesucht wird. Unterschiedliche Protagonisten leben und reflektieren Solidarität, Freundschaft und Revolte gegen das Übel. So werden Möglichkeiten der Nächstenliebe und Zivilcourage gegen physische und moralische Zerstörung gesetzt, literarisch illustriert und reflektiert. Dabei begegnen wir an keiner Stelle einem erhobenen Zeigefinger, sondern vielmehr einer Einladung, respektvoll, realistisch und konkret Möglichkeiten und Wege menschlichen Umgangs mit Übeln zu suchen.]]

In Podiumsdiskussionen, Lehrveranstaltungen, Fachvorträgen, Workshops, einer Ausstellung und in weiteren Formaten wird das Werk in seinem Facettenreichtum diskutiert.
Interessierte von innerhalb und außerhalb der Universität Bremen sind herzlich eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Weitere Informationen gibt es unter https://blogs.uni-bremen.de/camus4solidarity/. Rückfragen, Ideen und Beiträge bitte an Dr. Svantje Guinebert: svantje.guinebert@uni-bremen.de.

Camus  und  Dostojewksi – Auflehnung im Absurden

Vortrag von  Bernd Oei

am Freitag, 14. Februar 2020 19.30 Uhr
LOGOI, Jakobstraße 25a in Aachen

Was man ist und als was man erscheint

Geselligkeit lenkt oftmals von dem ab, was man wirklich ist. Wir sind geübt darin, auszuweichen, unserem wahren Ich zu entfliehen, bis es nahezu unkenntlich wird. Zwischen den Anderen können wir standhalten aber meist berauben wir uns darin unserer schöpferischen Kräfte, die erst im Alleinsein wiederkehren.
1937 notierte Albert Camus in seinem Tagebuch:
Jedes Mal, wenn man (wenn ich) seinen Schwächen nachgibt, jedes mal, wenn man denkt und lebt, um etwas zu “scheinen”, begeht man Verrat. Jedes mal war es das größte Unglück, etwas scheinen zu wollen, das mich angesichts des Wahren kleiner gemacht hat. Es ist nicht nötig, sich dem anderen anzuvertrauen, sondern nur denen, die man liebt. Denn in dem Fall gibt man sich nicht mehr preis, um etwas zu scheinen, sondern einzig, um zu schenken. Es steckt viel mehr Kraft in einem Menschen, der nur etwas scheint, wenn es sein muss. Bis zum Ende gehen heißt, sein Geheimnis bewahren zu können. Ich habe unter dem Alleinsein gelitten, aber weil ich mein Geheimnis bewahrte, habe ich die Qual des Alleinseins überwunden. Und heute kenne ich keinen größeren Ruhm, als alleine und unbeachtet zu leben. Schreiben, meine tiefe Freude! (Tagebücher 1935 – 1951, S.60/61, Rowohlt 2011)

Bei unserem nächsten Gesprächskreis
am Dienstag, den 14. Januar 2020
im LOGOI, Jakobstraße 25a in Aachen
möchte ich mit Euch über die “tiefen Freuden” sprechen, über die Momente, in denen Ihr Euch selbst begegnet und die Erfahrungen, die Ihr daraus mitgenommen habt.

 

 

Wir haben uns vorgenommen, für 2021 ein Albert Camus Festival in Aachen zu organisieren.

Dieses ambitionierte Vorhaben verlangt eine längere Vorbereitungszeit, ein gutes Team, Kooperationspartner und Zuschussgeber. Erste Treffen haben bereits stattgefunden, die Ideen wachsen,  gleichzeitig versuchen wir, erste Strukturen zu schaffen.

Wer bei dem Organisationsteam mitmachen möchte, kann sich gerne bei uns melden oder bei einem unserer nächsten Vorbereitungstreffen vorbei kommen. Auf der nächsten Seite Termine erfahren Sie, wann und wo wir uns jeweils treffen.

 

Die Begierde nach dem, was die Welt nicht hergibt

Wenn wir Albert Camus‘ Werk lesen, begegnen uns manche Orte, an denen er sich aufgehoben gefühlt hat, die Ruinen von Tipasa, die Fußballplätze seiner Kindheit, das Meer, das in der überkochenden Hitze des Algerischen Sommers Abkühlung versprach, um nur drei Beispiele zu nennen. Hier fand ein Wechselspiel zwischen einer befreiender Körperlichkeit und einem befreiten Geist statt.

Dagegen stehen die Orte, an denen er sich eher fremd vorkam, – wir finden sie häufiger zwischen den Zeilen seiner Romane und Abhandlungen als in seinen biografischen Texten.

Dieses Nichts-Aufgehoben-Sein bezog er aber nicht nur auf einzelne Orte, manchmal war es die Welt als Ganzes, die weniger hergab, als sein Geist einforderte. Bereits in den ersten Kapiteln des Mythos von Sisyphos schrieb er über die Entzweiung zwischen dem begehrenden Geist und der enttäuschenden Welt. „… in einem Universum, das plötzlich der Illusionen und des Lichts beraubt ist, fühlt der Mensch sich fremd.“

Schon Hegel hatte ähnlich argumentiert, als er von der Entzweiung zwischen dem, wie sich ein Mensch durch sein Tun in die Welt setzt und dadurch sein Selbst-Bewusstsein entwickelt und der fremden äußerlichen Wirklichkeit, sprach. Er kam zu dem Schluss: “Das Bewusstsein … lässt sich … durch den Schein der vorhandenen Wirklichkeit nicht irre machen …”

Hegel hat also nicht einfach nur das Bewusstsein gegen die Wirklichkeit gestellt, er spricht ausdrücklich vom Schein der Wirklichkeit. Es stellt sich demnach nicht die Frage, wie die Wirklichkeit ist, sondern wie sie uns erscheint.

Woher nur kommt die Begierde nach dem, was diese Erde niemals hergibt?

Camus sagt “Das Wesentliche dieses Widerspruchs liegt im «Ausweichen».”

„Ausweichen“, das fühlt sich vertraut an, darin sind wir geübt. Doch wollen wir das wirklich, müssen wir das sogar, um mit unserem Leben zurecht zu kommen?

Albert Camus – Der Mythos von Sisyphos (Rowohlt- Verlag 2010, S. 14ff)

G.W.F. Hegel – Phänomenologie des Geistes (Felix Meiner Verlag 2011, S. 263)

 

* Sie wohnen nicht im Einzugsbereich von Aachen und können deshalb nicht/ seltener zu unseren Treffen kommen? Dann wünsche ich mir, dass unsere Themen und einführenden Texte sie dennoch anregen, zu eigenen Gedanken und Gesprächen mit ihren Freunden. Darüber hinaus planen wir wieder größere Veranstaltungen, zu denen sich die Reise nach Aachen für Sie vielleicht lohnt, – oder gibt es die Möglichkeit, in Ihre Stadt zu kommen?

Die Albert Camus Gesellschaft gratuliert dem LOGOI zum 10.-jährigen Bestehen.

2013 gab es im LOGOI einen Vortrag zum 100. Geburtstag von Albert Camus. Daraus entstand die Idee zur Gründung unserer Gesellschaft. Bis heute arbeiten wir eng zusammen. Unser großer Dank gilt Jürgen Kippenhan und dem gesamten Team.

 

Engagiert gegen Nazis

Albert Camus hat hautnah miterlebt, zu welchen menschenverachtenden Handlungen Nazis in der Lage waren. Als engagierter Journalist im Widerstand schrieb er unter anderem die (fiktiven) Briefe an einen deutschen Freund, in denen er die Falschheit der Nazis bloßstellte. So schrieb er im April 1944 in seinem dritten Brief:

«Die Worte nehmen immer die Farbe der Handlungen oder der Opfer an, zu denen sie Anlass geben. Und bei euch gewinnt das Wort Vaterland einen blutigen, blinden Widerschein, der es mir auf immer entfremdet, während wir das gleiche Wort mit der Flamme einer Erkenntnis begaben, wo der Mut größere Kraft erfordert, wo aber der Mensch sein Menschsein ganz erfüllt.»¹

Auch nach der Befreiung Frankreichs setzte sich Camus in der Widerstandszeitung Combat mit den Nazis auseinander. Vor 75 Jahren veröffentlichte er einen Leitartikel unter der Überschrift Hitler, die Geschichte und die Niederlage des politischen Realismus, in dem es u.a. lautet: «Für viele Männer ist der Erfolg ein Gesetz und die Brutalität eine ständige Versuchung. Darum ist es auch nicht sicher, dass diese Überzeugung aus manchen Gedankengängen vollständig verschwunden ist.»²

Dass die Nazi-Ideologie in manchen Köpfen überleben würde, lag natürlich auf der Hand und Camus hatte noch miterlebt, wie derlei Überzeugungen auch bei nicht vorbelasteten Generationen von Neuem aufkeimten, derweil viele Zeitgenossen so taten, als hätte man das Nazitum überwunden.

Die meisten Deutschen wollten nicht mehr gerne an die Nazi-Zeit erinnert werden, nur wenige hatten erkannt, wie wichtig es ist, sich im Nachkriegsdeutschland nicht nur mit diesen dunklen Jahren sondern auch mit dem Gedankengut, das dorthin geführt hatte und das immer wieder von Neuem auflebte, auseinanderzusetzen. Einer von Ihnen war beispielsweise der Schriftsteller Heinrich Böll.

Daneben hat es auch viele Nicht-Prominente gegeben, die sich unerbittlich gegen altes und neues Nazitum und der Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie engagiert haben und bis heute engagieren. Einer von Ihnen war Kurt Heiler, langjähriger Vorsitzender der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ (VVN-BdA)

Vor einer Woche ist Kurt Heiler im Alter von 67 Jahren gestorben.

Noch im vergangenen Jahr hatte Kurt in Aachen das Gedenken zum 80. Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht, – an der neben vielen anderen auch die Albert Camus Gesellschaft und das LOGOI beteiligt waren -, initiiert und koordiniert und stand jetzt mitten in den Vorbereitungen zur diesjährigen Veranstaltungsreihe. Es stimmt uns sehr traurig, diesen engagierten und persönlich sehr sympathischen Menschen nicht mehr an unserer Seite zu wissen.

Deshalb möchte ich unseren nächsten Gesprächskreis

« Engagiert gegen Nazis »

Kurt Heiler widmen

wir treffen uns am Dienstag, den 3. September um 20.00 Uhr

im LOGOI, Jakobstraße 25a in Aachen

¹ Albert Camus, Briefe an einen deutschen Freund, aus Kleine Prosa, Rowohlt 1962, S. 90

² Albert Camus, Combat – Leitartikel vom 15. September 1944, aus Jaqueline Lévi-Valensi (Hrsg.) Albert Camus – Journalist in der Resistance Band I. Seite140

 

 

 

 

„Die wahre Großzügigkeit der Zukunft besteht darin, in der Gegenwart alles zu geben. Die Revolte beweist dadurch, dass sie die Bewegung des Lebens selbst ist und das man sie nicht leugnen kann, ohne auf das Leben zu verzichten.“                                                                

Albert Camus, Der Mensch in der Revolte

 

Reise nach Lourmarin – Ein Tagebuch von Sebastian Ybbs

Ankunft Lourmarin. Grauer Himmel. Im Garten wunderbare, von Wasser beschwerte Rosen, köstlich wie Früchte. Der Rosmarin blüht. Spaziergang, und das Violett der Schwertlilien wird am Abend noch dunkler. Erschöpft.
Tagebucheintrag Albert Camus am 28. April 1959

Voller Spannung und Vorfreude erreichen wir Lourmarin. Camus hatte sich einen Traum erfüllt und in diesem, für französische Verhältnisse sonnendurchfluteten Land, in einem einsamen malerischen Örtchen mitten in der vielfältigen Natur des Luberon am südlichen Fuß des Gebirgszuges ein Haus gekauft. Hier fand Camus Abstand zum rauen Paris mit seinem durchwachsenen Klima und den Intellektuellenstreitigkeiten, in denen er sich ständig behaupten musste. In Lourmarin hatte Camus das Gefühl, zu sich selber finden zu können.
Tagebucheintrag Sebastian Ybbs am 29. April 2019

Den gesamten Bericht über die Reise nach Lourmarin und die Begegnung mit Catherine, der Tochter Albert Camus‘  finden Sie auf der homepage: www.sebastian-ybbs.de oder direkt unter dem link http://new.heimat.de/home/sebastian-ybbs/Begegnung.htm

 

„Die einzige Möglichkeit, mit einer unfreien Welt umzugehen,

ist so absolut frei zu werden,

dass die eigene Existenz ein Akt der Rebellion wird“

 

Dezember 2018 – Ereignisreiche Wochen liegen hinter uns:

Nach dem Vortrag von Prof. Heinz Robert Schlette im Juni zum Thema „Albert Camus und die Juden“ konnten wir nach mühsamer Vorarbeit im September das von Günter Sydow eingerichtete „Albert Camus Archiv“, das einzigartig im deutschsprachigen Raum ist, eröffnen.

Der Oktober begann mit einer inszenierten Lesung am deutsch-belgischen Grenzübergang Köpfchen. Unter dem Thema „Gratwanderungen“ hat ein Team Texte verschiedener Autoren an unterschiedlichen Stationen rezitiert.

Dank der Unterstützung von Mitgliedern und Freunden der Albert Camus Gesellschaft konnte ein junges ambitioniertes Filmteam um den Regisseur Antoine Schweitzer eine Verfilmung von Albert Camus´ Drama „Les Justes“ (Die Gerechten) realisieren. Noch vor einer Uraufführung durften sich die Freunde unserer Gesellschaft den Film ansehen und mit dem Regisseur diskutieren.

Der November stand im Zeichen des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in der Aachener Region habe ich einen Impulsvortrag zum Thema „Sich weigern, einander fremd zu sein“ gehalten, der in ein intensives Gespräch übergegangen ist.

Die Überlegungen des Salzburger Politologen Prof. Markus Pausch zur Demokratie als Revolte haben uns zu einer Podiumsdiskussion „Der Mensch in der Demokratie – Was wir von Albert Camus lernen können“ bewogen. Neben Prof. Pausch haben wir Franz Müntefering, den ehemaligen Sozialminister, Vizekanzler und SPD-Vorsitzenden eingeladen.

 

Mit der Wintersonnenwende, dem Weihnachtsfest und Jahreswechsel stehen nun besinnliche Tage ins Haus, in denen wir ein wenig Abstand gewinnen wollen, um die Eindrücke aus den Aktivitäten auf uns wirken zu lassen und neuen Idee zu schöpfen.

Ich hoffe, dass Ihnen unsere Arbeit gefällt und Sie an unseren Veranstaltung teilhaben oder sogar mitwirken wollen. Am Dienstag, den 8. Januar starten wir das kommende Jahr mit einem Gesprächskreis … und weitere Ideen schwirren schon längst in unseren Köpfen herum.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit

Ihr Sebastian Ybbs

 

Prof. Markus Pausch und Franz Müntefering im Gespräch

mit Jürgen Kippenhan (LOGOI) und Sebastian Ybbs (Albert Camus Gesellschaft)

DER MENSCH IN  DER DEMOKRATIE

Was wir von Albert Camus lernen können

“Ich selber wohne im Judenviertel; wenigstens hieß es so, ehe unsere hitlertreuen Brüder für Platz sorgten. Was für eine Säuberung! […] Wer keinen Charakter hat, muss sich eine Methode zulegen.”         Albert Camus

 

Die Recherche von Heinz Robert Schlette über Albert Camus und die Juden ist jetzt auch in Buchform erschienen. (Edition Böttger, Bonn 2018; ISBN978-3-98159047-0)

 

 

Heinz Robert Schlette – Ehrenmitglied der Albert Camus Gesellschaft e. V.

Anlässlich der Eröffnung des Albert-Camus-Archivs,

das auf seine, während 60 Jahren angelegte Bibliothek gründet

hat die Albert Camus Gesellschaft e. V.

in Anerkennung seiner bedeutenden Forschung

und Kommentierung zum Werk von Albert Camus

Herrn Prof. Dr. Dr. Heinz Robert Schlette

als ihr Ehrenmitglied ernannt.

 

 

 

 

 

 

Eine Übersicht der nächsten Veranstaltungen finden Sie unter TERMINE

 

 

Termine

Dienstag 3. November 19.30 Uhr –  VHS Aachen, Peterstraße 21

Vortrag: Albert Camus – Vom Absurden zur Revolte

 

Dienstag , 6. Oktober, 19.30 Uhr –  VHS Aachen, Peterstraße 21

Vortrag: Albert Camus – Der Algerienfranzose

 

Dienstag 22. September, 19.30 Uhr –  VHS Aachen, Peterstraße 21

Vortrag: Albert Camus – Leben und Werk

 

Dienstag, 15.September, 19.30 Uhr  Gesprächskreis: „Hannah Arendt“

Mittwoch, 26. August,  17.00 Uhr-  Burg Frankenberg: Aachen, Goffartstraße 45                  Koordinationstreffen für das Albert Camus Festival

Dienstag, 18. August, 19.30 Uhr  Gesprächskreis: „Verteidigung der Freiheit“

Sonntag, 9. August, 14.15 Uhr    Himmel, Hölle, Erde, Pfefferminztee      Notwendige Dialoge gelesen von Matthias Lüffe und Sebastian Ybbs         mit Texten von Thomas Mann, Franz Kafka, Jean Paul Sartre, Albert Camus u.a. ; Sommergarten 2020 – Hammerberg 13,  in Stolberg

Donnerstag, 4. August, 17.00 Uhr Mahnwache anlässlich der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren, Aachen, Münsterplatz

Im Rahmen dessen findet vom 2. – 9- August  in der Aachener Citykirche (Größkölnstraße) eine Ausstellung des IPPNW statt

Freitag, 14. Februar, 19.30 Uhr Auflehnung im Absurden: Camus und Dostojewski Vortrag von Bernd Oei

Dienstag, 4. Februar, 20.00 Uhr Gesprächskreis: Das Maß der Revolte und die Fridays for Future-Bewegung #4 Vertiefendes Gespräch über die Intentionen der Revolte

Dienstag, 14.Januar , 20.00 Uhr Gesprächskreis: Was man ist und als was man erscheint

Dienstag, 3. Dezember , 19.00 Uhr Vorbereitungstreff für das in 2021 geplante Albert Camus Festival

Dienstag, 5. November, 20.00 Uhr Gesprächskreis: Die Begierde nach dem, was die Welt nicht hergibt

Montag, 11. November 2019, 16.30 – 18.00 Uhr im Rahmen der Ringvorlesung „Geschichte und Gegenwart der Existezphilosophie“ an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf referiert Jürgen Kippenhan über Camus und das Absurde.

Dienstag, 1. Oktober 2019,  20.00Uhr „… angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne …“ Meursaults Reflexionen vor seiner Hinrichtung Vorstellung eines Kurzfilmprojektes von Julian Withalm mit anschließendem Gespräch

Dienstag, 3. September 2019, 20.00 Uhr Gesprächskreis: Engagiert gegen Nazis

Dienstag, 2.Juli 2019, 20.00 Uhr # REVOLTE

Welche Haltung einnehmen, wenn die Würde eines Menschen verletzt ist ?
Rechtfertigt die Fridays-for-Future-Bewegung eine Revolte ?
Welches Handeln geht konform mit dem Maß halten?

Dienstag, 4. Juni 2019, 20.00 Uhr Gesprächskreis

Dienstag, 7. Mai 2019, 20.00 Uhr Gesprächskreis: Gemeinsam lesen wir aus „Briefe an einen deutschen Freund“ und sprechen über das Verständnis Albert Camus´ von einem vereinten Europa

„Für uns jedoch ist Europa jener Boden, auf dem sich seit zwanzig Jahrhunderten das erstaunliste Abenteuer des menschlichen Geistes abspielt.“ 1944

Dienstag, 2. April 2019 19.00 Uhr Jahreshauptversammlung der Albert Camus Gesellschaft e. V.

20.00 Uhr Gesprächskreis: „Der Augenblick, als Camus einem Betrug begegnete, indem er seine Ballonmütze zog und den Gegner einlud, einzutreten.“

Dienstag, 12. März 2019, 20.00 Uhr Ausstellungsbesuch & Gesprächskreis: Kunst – Augenblick der universellen Wahrheit

Dienstag, 5. Februar 2019, 20.00 Uhr Gesprächskreis: Die Freiheit der eigenen Existenz als Akt der Revolte

Dienstag, 8. Januar 2019, 20.00 Uhr Gesprächskreis: Dietrich Bonhoeffer und Albert Camus: Ein Zwiegespräch